[Rezension] Angie Kim - Miracle Creek

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Miracle Creek | Angie Kim | 512 Seiten | E-Book | hanserblau | 8,99 €

Inhalt

In der Kleinstadt Miracle Creek in Virginia geht ein Sauerstofftank in Flammen auf. Zwei Menschen sterben - Kitt, die eine Familia mit fünf Kinder zurücklässt, und Henry, ein achtjähriger Junger. Im Prozess wegen Brandstiftung und Mord sitzt Henrys Mutter Elizabeth auf der Anklagebank. Und die Beweise sind erdrückend. Hat sie ihren eigenen Sohn ermordert? Während ihre Freunde, Verwandten und Bekannten gegen sie aussagen, wir klar: In Miracle Creek hat jeder etwas zu verbergen.

Zitate

"In Korea war der sparsame Umgang mit Worten ein Zeichen von Würde, aber in Amerika betrachtete man Geschwätzigkeit als angeborene positive Eigenschaft ganz ähnlich der Güte und Mut. Amerikaner liebten Wörter - je mehr, je länger, je schneller ausgesprochen, desto schlauer und beeindruckender." (Pos. 2733)

"Als Zeuge aufzutreten, war wie Theater spielen. Auf einer Bühne stehen, sämtliche Blicke auf sich gerichtet, und versuche, sich an den Text zu erinnern, den jemand anders verfasst hatte." (Pos. 2742)

Meine Meinung

Bevor ich mit meiner Meinung beginne, möchte ich mich beim Hanser-Verlag  für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares bedanken.

Triggerwarnung: Mord, Tod, sexuelle Gewalt, Suizid, Missbrauch, körperliche/mentale Behinderungen 

Ich muss ja gestehen, dass Miracle Creek mir im ersten Moment nur wegen des Covers aufgefallen ist. Nachdem ich dann aber den Klappentext und die Leseprobe gelesen habe, dachte ich, dass das Buch das Potenzial hat, eines meiner absoluten Highlights zu werden. 

Der Einstieg allein hat mich sofort überzeugen können und ich habe mich auf den Rest der Handlung gefreut. Die Idee und das Konezpt, dass die eigentliche Handlung mit dem Prozess zur Brandstiftung und Mord beginnt, fand ich unglaublich interessant. Hiebei erfährt man erst Stück für Stück, was wirklich am Tag der Tragödie geschehen ist und das Buch schafft es dadurch einen sehr schnell ans Buch zu fesseln. 
Das Konzept hat hier perfekt funktioniert. Als Leser ist einem direkt klar, dass die Antwort, wer der Täter wirklich ist, nicht so einfach ist wie man glauben mag und man ist sofort am Rätseln, wer der Täter ist. Interessanter wird es dadurch, dass jeder der Charaktere etwas zu verbergen hat und keiner die komplette Wahrheit sagt. Für mich war es daher unmöglich einen Täter zu bestimmen. Ich hatte zwar immer wieder gewisse Personen im Verdacht, aber durch neue Informationen hat sich mein Verdacht ständig geändert. Bis zur Auflösung zum Schluss konnte ich mir wirklich nie sicher sein, wer der Täter ist. Selten hat mich ein Buch so miträtseln lassen und hinters Licht führen können. 

Ein weiterer grandioser Aspekt ist die Darstellung kultureller Unterschiede und Immigration und welche Probleme dies mit sich führt. Dadurch, dass die Autorin selber aus Südkorea kommt und in jungen Jahren mit ihrer Familie in die USA ausgewandert ist, kann man davon sicher sein, dass dies eine authentische Darstellung ist. 
Zu der Darstellung kultureller Unterschiede und Immigration kommen noch weitere Aspekte die diskutiert werden, wie zum Beispiel die Kontroverse um alternative Therapien oder die Pflege von Kindern mit Behinderungen. Auch dies sind Aspekte, mit denen sich die Autorin persönlich auskennt. Besonders positiv ist mir hierbei aufgefallen, dass die Autorin kein Urteil darüber fällt was falsch und was richtig ist. Stattdessen bekommt man einen Einblick, was Eltern dazu bewegt, eine Therapie wie die HBO wahrzunehmen. Auch wenn man selbst mit den Therapien nicht übereinstimmt, konnte man dennoch immer die Beweggründe der Charaktere nachvollziehen. Das Buch zeigt außerdem wundervoll auf, wie individuell die Probleme der Eltern sind und wie unterschiedlich sie mit den Behinderungen ihrer Kinder umgehen.

Leider hat mich das Buch, trotz seiner komplexen Handlung und Darstellung verschiedener Themen, emotional nicht mitreißen können. Die Charaktere waren allesamt großartig ausgearbeitet und vielschichtig, aber ich konnte zu keinem Charakter eine emotionale Bindung aufbauen. Ich fühlte zu den Charakteren und der Handlung immer eine gewisse Distanz, was ich schade finde, weswegen ich mich auch nie richtig in der Handlung fallen lassen konnte.

Fazit

Miracle Creek ist ein grandioses Debüt von Angie Thomas und ein Roman mit komplexer Handlung und schwierigen/sensiblen Themen, die respektvoll behandelt werden. Das Buch konnte mich einzig und allein auf emotionaler Ebene nicht erreichen. Angie Thomas ist eine Autorin, die man definitiv im Auge behalten sollte und ich bin schon auf ihre zukünftigen Werke gespannt. 

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