[Rezension] Juno Dawson - Clean

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Clean | Juno Dawson | Carlsen Verlag | 400 Seiten | e-Book | 12,99 €

Inhalt

Lexi ist reich, cool, ein It-Girl – und heroinsüchtig. Nach einer Überdosis landet sie in der Clarity-Klinik. Ihr Entzug ist hart, die Therapie schier unerträglich, vor allem die Treffen mit den „Mitinsassen“: Aufputschmittel-Junkie Saif, Trans-Mädchen Kendall, Guy mit der Zwangsneurose, Bulimikerin Ruby, Ex-Kinderstar Brady. Doch ausgerechnet diese fünf werden zu echten Freunden. Und Brady vielleicht mehr. Lexi öffnet sich vorsichtig, beginnt ihr zerstörerisches Leben zu hinterfragen. Aber ist ein anderer Weg überhaupt möglich?

Zitate

"Süchtige nehmen ihre Abhängigkeit oft als Zentrum des Universums wahr. Wir sind aber der Ansicht, dass das Leben einem viel mehr bietet. Für manche ist das Gott, für andere die Familie, für wieder andere Freundschaft oder sogar der Glaube an die Liebe oder die Natur."

"Mein Körper ist frei von Drogen, die Drogen sind aber womöglich nicht das Problem - und sind vielleicht auch nie das Problem gewesen."

Meine Meinung

Bevor ich mit meiner eigenen Meinung beginne, möchte ich mich herzlichst beim Carlsen-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares über NetGalley bedanken.

Clean ist ein Buch, welches definitiv Triggerwarnungen braucht. Dabei reichen diese von Alkohol- und Drogenmissbrauch, den Begleiterscheinungen des Entzugs und deren sehr grafischen Darstellung bis hin zu selbstverletzendem Verhalten und Essstörungen verschiedener Arten. 

Ich war bei beginnen des Buches ein klein wenig nervös, weil es sehr harte und ernste Themen behandelt und man kann im Umgang mit diesen Themen sehr viel falsch machen. Ich habe aber durch Zufall ein wenig mehr über die Autorin herausgefunden und habe mir dadurch erhofft, dass das Buch sensibel mit den Themen umgeht und ich bin definitiv nicht enttäuscht worden. 

Das erste, was mir auffiel, ist, dass die Autorin nichts zurückhält und schonungslos ehrlich ist. Zudem schreibt sie sehr bildhaft. Man wird direkt in die Handlung geworfen und kriegt direkt mit, wie Lexi von ihrem Bruder in die Entzugsklinik gebracht wird. Gerade zu Beginn der Handlung, während Lexi die erste Zeit im Entzug ist und mit den begleitenden Entzugserscheinungen kämpft, wird es sehr bildlich und man bekommt einen Vorgeschmack auf die harte Kost, die noch auf einen wartet. 

Die Handlung nimmt einen wirklich gefangen, wobei man das Buch auch mal zur Seite legen muss, weil es teilweise so hart zu lesen ist aufgrund der Thematiken. Zudem hatte ich das Gefühl, dass diese sehr realistisch dargestellt werden und die Autorin macht auch nicht davor halt zu zeigen, dass nicht alles sofort nach einem Entzug wieder bergauf geht, sondern das es weiterhin schwierig bleibt mit seinen Süchten umzugehen.

Eine Sache, die ich allerdings komisch fand war, dass in der Entzugsklinik die Patienten scheinbar machen konnten, was sie wollten. Es schienen keine Kontrollgänge von dem Personal gemacht zu werden und ich kann mir nicht vorstellen, dass dies der Realität entspricht, gerade wenn man so viele Charaktere mit verschiedenen Krankheiten hat. Auch nicht, wenn es eine Privatklinik ist. Das war mir einfach zu abstrakt und es sind einige dramatische Dinge passiert, die mehr als unrealistisch sind, besonders im Hinblick auf die Freiheiten und Grenzen die Patienten wohl in der Realität haben. 

Im Laufe des Buches lernt man viele Charaktere kennen und sie sind nicht alle sehr sympathisch. Das sollen sie aber auch nicht sein. Ich fand die Charaktere allesamt als sehr authentisch, allerdings gab es auch ein paar Charaktere, die ganz schön flach gewesen sind. Diese kamen aber auch zum Teil nicht sehr viel vor, weswegen ich da schon wieder ein Auge zudrücken kann. 
Gerade aber Lexi und ihre engsten Vertrauten waren gut ausgearbeitet und auch wenn ich Lexi gerne mal geohrfeigt hätte wegen manchem, dass sie gesagt hat, ist sie mir doch irgendwie ins Herz gewachsen. Im Laufe der Handlung lernt man sie zu verstehen und warum sie so unsympathisch erscheint, aber hinter ihr steckt einfach so viel mehr. 

Ich muss gestehen, dass das Ende für mich vielleicht ein wenig zu viel Kitsch war, aber es hat meinen Lesegenuss nicht gemindert und ich werde die Geschichte positiv in Erinnerung halten. Ich würde mir sogar weitere Bänder wünschen, denn aus den verschiedenen Charakteren kann man noch so viel mehr herausholen und ihre Geschichte erfahren. 

Fazit

Schonungslos ehrlich beschreibt das Buch wohl am besten. Juno Dawson hat ein sehr wichtiges Buch gelesen, welches sich lohnt zu lesen. Auch trotz kleiner Unstimmigkeiten hat mir das Lesen sehr viel Spaß gemacht und ich habe das Gefühl, dass ich etwas von der Geschichte mitgenommen habe. Trotz der harten Kost sollte man es sich aber dennoch genau überlegen, ob man mit den Triggern klar kommt bzw. umgehen kann, denn die sind nicht ohne. 


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2 Kommentare

  1. Hey. Ich schon wieder, weil ich leider keinen eigenen Blog habe, aber zumindest ein bisschen meine Meinung mitteilen will.
    Ja. Das Buch ist ja schön und gut aber mit der Wirklichkeit hat es leider wenig zutun.
    Wie es in einer Psychiatrie wirklich ist:
    Das Essen ist kacke oder manchmal ganz okay bis annehmbar. Machen was man will kann man selten und auch nur in sehr eingeschränktem Maße. Handy werden in fast alles zumindest KJPP's weggesperrt und man darf sie nur zu einer bestimmten zeit am Tage haben und auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Und man bekommt auch keine Markenkeidundung geschenkt. Und die Zimmer sind keine Luxussuiten und man muss sich die Zimmer meistens teilen.
    Die Psychiatrie wird in diesem Buch leider romantisiert.
    Trotzdem ist das Buch lesenswert.
    Liebe Grüße

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    Antworten
    1. Alles gut :) Deine Meinung ist hier immer willkommen :)
      Ich habe es mir ja wirklich schon gedacht, dass die Psychiatrie romantisiert wird. In einer solchen Luxus-Psychiatrie mag vielleicht das Essen ein wenig besser sein, aber ansonsten kam mir der Rest auch ziemlich seltsam vor.
      Und danke für deinen Einblick, wie es wirklich in einer Psychiatrie ist.

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